Filmdoku Augenhöhe

Nicht nur in der Schule, sondern ein Teil der Schule

Der dritte Teil der Dokumentationsreihe „Augenhöhe“ zeigt, wie Bildung im 21. Jahrhundert gelingen kann. Die Macher haben acht Schulen in Deutschland besucht, an denen mutige Lehrer gemeinsam mit den Schülern neue Bildungskonzepte erproben. Finanziert wurde das Filmprojekt per Crowdfunding Was braucht es, damit unsere Kinder selbstbestimmt und eigenverantwortlich lernen? Das haben sich die Filmemacher von Augenhöhe gefragt. Und auch diesmal sind sie fündig geworden. Anhand von acht Schulen in Deutschland zeigt der dritte Teil der Dokureihe, wo und wie alternative Bildungskonzepte schon jetzt Früchte tragen. Von jahrgangsübergreifendem Unterricht, über neue Fächerkombinationen bis zu gemeinsamen Schüler-Lehrer-Projekten: die vorgestellten Ideen sind vielfältig, und sie funktionieren. Schüler dürfen mitentscheiden „Ich fühle mich nicht wie in der Schule, ich fühle mich als wär ich Teil der Schule“, fasst ein Schüler der Drachenschule Odenwald seine Empfindungen zusammen. Die im Film gezeigten Schulen lassen ihre Schüler mitentscheiden, egal ob es um den Zielort der Studienfahrt, das Thema der Projektwoche oder gar den heutigen Unterrichtsstoff geht. Mit neuen Fächern werden zudem Aspekte wie Nachhaltigkeit und Teamgeist mit in den Lehrplan integriert. Und …

Interview mit Peter Paulus

“Kompetenzen entwickeln ist gesünder als Bulimie-Lernen”

Prof. Dr. Peter Paulus ist Experte für Gesundheitswissenschaften und Prävention sowie Impulsgeber beim EduAction Bildungsgipfel 2018. Im Kurz-Interview erklärt er, wie wir verhindern können, dass der Druck beim Lernen die Gesundheit schädigt, und warum das Entwickeln von Kompetenzen gesünder ist, als das bloße Auswendiglernen von Fachwissen Herr Professor Paulus, die Zeiten des militärischen Drills in der Schule sind eigentlich vorbei. Trotzdem hat man den Eindruck, der Druck beim Lernen nähme heute wieder zu. Stimmt das? Militärischen Drill gibt es sicher nicht mehr, aber der Druck, Leistung zu erbringen nimmt zu. Die Kinder und Jugendlichen verspüren nicht erst in der Schule, dass gute Leistungen zu erbringen, ein absolutes Muss ist, um nicht verloren zu gehen. Erschöpfungssyndrome, die inzwischen vielfach belegt sind, spiegeln diesen Druck im Leib-Seele-System der Kinder und Jugendlichen. Statt Leistung zu fordern, wäre es deshalb in der Schule notwendig, Freude an der Leistung zu fördern. Müsste die Schule nicht einer der zentralen Akteure sein, wenn es darum geht, Gesundheitskompetenz zu vermitteln? Auf jeden Fall. An welchem anderen Ort können Kinder und Jugendliche grundlegend wichtig Gesundheitskompetenzen erwerben als …

Weekendschool Deutschland

Endlich ein Ziel vor Augen

Noch immer gelingt nur wenigen Kindern aus sozial schwachen Familien in Deutschland der soziale Aufstieg durch Bildung. Ein wichtiger Grund: Erfolg braucht Motivation, und Motivation braucht ein konkretes Ziel. Die Hamburger Weekendschool will diesen Kindern die volle Bandbreite der eigenen Möglichkeiten zeigen und so Pessimismus und Perspektivlosigkeit bekämpfen Chancengleichheit in der Bildung ist in Deutschland noch immer mehr Ideal als Wirklichkeit. Immer wieder bestätigen Studien, wie stark die soziale Herkunft eines Menschen seine Bildungslaufbahn beeinflusst. So schließen beispielsweise mehr als die Hälfte aller Kinder von Akademikern erfolgreich ein Studium ab, während dies nur jedem zehnten Kind von Hauptschulabsolventen gelingt.  Ein wichtiger Grund für diese Unterschiede: Erfolg braucht Motivation und Motivation braucht ein konkretes Ziel. Hier spielt das soziale Umfeld eine große Rolle, weil Kinder sich häufig an den Erwachsenen im Bekanntenkreis oder der eigenen Familie orientieren. Wer mit einem sozial schwachen Hintergrund aufwächst, findet allerdings häufig nur ein sehr eingeschränktes Spektrum an Vorbildern im persönlichen Umfeld. Auf diesem Weg werden Perspektivlosigkeit und Pessimismus bezüglich der eigenen Bildungschancen von Generation zu Generation weitergegeben. Politiker, Astronaut oder Elektriker? Die …

Interview mit Gerald Hüther

“Heranwachsende brauchen Erfahrungen, die ihnen deutlich machen, wie wertvoll sie sind”

Prof. Dr. Gerald Hüther ist einer der bekanntesten deutschen Neurologen, seine Bücher zum Schulsystem sind Bestseller. Beim EduAction Bildungsgipfel 2018 wird er über Würde sprechen: Was bedeutet Würde im Zeitalter der Digitalisierung? Wie lässt sich die Menschenwürde wirksam schützen und entwickeln? Wir haben vorab drei Fragen dazu gestellt 1. Herr Professor Hüther, wie lässt sich Würde aus der Sicht der Hirnforschung beschreiben? Würde ist ja zunächst nur ein Begriff. Den haben Menschen entwickelt, um das auszudrücken, was unser eigentliches Menschsein ausmacht. Die Verfasser des Grundgesetzes sind davon ausgegangen, dass jedem Menschen eine eigene Würde innewohnt, die ihm vom Schöpfergott verliehen worden ist und die deshalb unantastbar ist. Das hat zunächst nichts mit Neurobiologie, sondern eher mit einem gesellschaftlichen Konsens zu tun, auf den man sich einigen oder an den man glauben kann. Anders ist es allerdings mit der Vorstellung oder dem Bewusstsein seiner eigenen Würde. Das ist nicht gottgegeben oder in den Genen angelegt, das kann ein Mensch nur im Lauf seines Lebens selbst herausbilden und zu einem zentralen Aspekt seines jeweiligen Selbstbildes machen. Und diese individuelle …

Projekt "Lie Detectors"

Frühe Aufklärung gegen Fake News

Kinder kommen immer früher in Kontakt mit sozialen Medien und den darin verbreiteten Nachrichten. Um zu unterscheiden, was Tatsachen entspricht und was nicht, gibt es immer mehr Projekte, die Kinder in Sachen Medienkompetenz schulen. Lie Detectors ist eines davon und will mit Hilfe von Journalisten für mehr Aufklärung sorgen Das Thema Fake News ist weiterhin in aller Munde. Erst vor wenigen Tagen kam die Nachricht, dass Facebook und Twitter hunderte Konten löschten die zu Propagandazwecken genutzt wurden. Gerade in Zeiten der anstehenden US-Kongresswahlen hat das Thema wieder großen Auftrieb bekommen und die Sorge um eine erneute Manipulation des Wahlkampfes ist groß. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts muss sich unsere Welt immer mehr mit Halbwahrheiten, verzerrten Fakten und Propaganda im Internet beschäftigen. Was dabei auffällt: Die Nutzer dieser Nachrichten werden immer jünger. Laut CEBIT ist es bereits völlig normal, dass Zwölfjährige ein Smartphone besitzen – und damit Zugang zum Internet. Gerade deshalb ist es so wichtig, diese junge Zielgruppe darüber aufzuklären, wie man kritisch mit Fakten aus dem Internet umgeht und Fake News erkennt. Die Idee: Journalisten in der Vermittlung von Medienkompetenz …

Interview mit Norbert Kunz

“So machen die Jugendlichen die immens wichtige Erfahrung von Selbstwirksamkeit”

Norbert Kunz ist Gründer von “Social Impact” und damit einer der wichtigsten Förderer von Sozialunternehmern in Deutschland. Im letzten Jahr hat er mit Gabriela Spangenberg außerdem das Projekt “Baut Eure Zukunft” gestartet, bei dem Schüler viel Eigeninitiative sowie Design Thinking grundlegende Kompetenzen entwickeln sollen. Im Interview erklärt er, warum Design Thinking für diesen Ansatz so wichtig ist, und was wir in Zukunft noch von dem Projekt erwarten können Bei dem Projekt “Baut Eure Zukunft” laden Schüler ihre Materialien selbst herunter und müssen anschließend mit Hilfe von Design Thinking eigene Lösungen für bestimmte Herausforderungen finden. Warum ist Design Thinking dabei so wichtig? Design Thinking ermöglicht es, in kurzer Zeit ein Problem zu verstehen, kreative Lösungsideen zu diesem Problem zu entwickeln und die wichtigsten Umsetzungsschritte sofort anzugehen. Die zentrale Erfahrung für die Jugendlichen und die begleitenden Personen im Projekt Baut Eure Zukunft besteht darin, dass wir Probleme im Team unkonventionell und schnell lösen können. Die Teilnehmenden, aber auch wir Initiatoren, lernen mit viel Freude, wie wir Herausforderungen wie Zukunftsangst, Mobbing, Gewalt, Armut oder die Erreichung der 17 Global Goals …

Hilfe für "Problemschüler"

Der Schlüssel ist die Eltern-Kind-Beziehung

Wohl in jeder Klasse gibt es das ein Kind, das durch sein Verhalten auffällt und damit oft den Unterricht stört. Oft beschweren sich Eltern deshalb über ungleich verteilte Aufmerksamkeit, Mitschüler sind genervt, und der Störenfried selbst leidet auch unter der Situation. Das Projekt “FiSch” hat einen klugen und wirksamen Ansatz gefunden, um verhaltensauffälligen Kindern zu helfen In jeder Klasse sind sie zu finden: Kinder die sich nicht an Regeln halten können, die Streit anfangen und sich teilweise sogar prügeln. Diese Verhaltensprobleme unterbrechen den Unterricht und führen oft dazu, dass solche Störenfriede aus der Schule abgeholt werden, oder im schlimmsten Fall sogar den Klassenverband verlassen müssen. Das Besondere: Die Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung Hier setzt das “FiSch”-Projekt an. Das Besondere daran: Es setzt auf die Einbindung der Eltern. Einmal in der Woche kommen maximal sechs Kinder mit ihren Eltern an einem neutralen Ort außerhalb der Schulräume in die FiSch-Klasse. Betreut werden die Kinder von einer Lehrerin, einer Sozialpädagogin und einem Förderschullehrer. Das Ziel der wöchentlichen Sitzungen ist es, den Kindern beizubringen sich an Regeln zu halten und Ziele zu erreichen. Dabei reichen kleine …

Interview mit Christian Spannagel

“Letztlich kann jeder im eigenen Umfeld Bildung gestalten”

Christian Spannagel ist Informatiker und Professor für Mathematik und Mathematikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Beim EduAction Bildungsgipfel 2018 spricht er über den Transfer von Bildungsinnovationen aus der Forschung in regionale Lehreinrichtungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft. Im Interview skizziert er vorab, vor welchen Herausforderungen wir dabei stehen Herr Professor Spannagel, in der Forschung und in Praxisprojekten stößt man immer wieder auf spannende Bildungsinnovationen. Oft hat man aber das Gefühle, dass es lange dauert, bis solche Ansätze auch in Kitas, Schulen und Universitäten ankommen. Woran liegt das? Was sind die größten Hindernisse? Das hat vielfältige Gründe. Pädagoginnen und Pädagogen brauchen Zeit, um Bildungsinnovationen zu sichten, auf ihre eigenen Kontexte anzupassen und vielleicht in mehreren Versuchen an ihre eigenen Wünsche und Ziele anzupassen. Diese Zeit haben sie oftmals nicht. Lehrerinnen und Lehrer müssen bei einem vollen Deputat ziemlich viel Unterricht in der Woche halten; darüber hinaus haben sie Aufgaben, die über den eigentlichen Unterricht hinaus gehen. Neue Anforderungen wie etwa Inklusion belasten sie zusätzlich. Bildungsinnovationen wie beispielsweise inklusive Unterrichtsmethoden wären zwar vielleicht eine Unterstützung und Hilfe in ihrem komplexen …

Social Entrepreneurship Education

Was es Schülern bringt, eigene Geschäftsideen zu entwickeln

Entrepreneurship Education hat das Ziel, unternehmerische Kompetenzen zu vermitteln. Doch in Deutschland mangelt es an Angeboten dafür. Dabei stärkt das Konzept nicht nur eine innovative Gründer-Szene, sondern auch das Selbstbewusstsein und die beruflichen Perspektiven der Teilnehmenden Der internationale Vergleich zeigt: Es mangelt an passenden Rahmenbedingungen für Gründung und Unternehmertum in Deutschland. Besonders in Sachen Gründungs-Ausbildung hinkt die Bundesrepublik hinterher, kritisiert der Global Entrepreneurship Monitor 2017/18. Eine Folge: Eine weiter sinkende Gründungsaktivität von 17 Prozent in Deutschland in 2017. Unternehmerische Methoden als Mittel zum Zweck Problematisch ist das auch im Kontext zukunftsorientierter Wirtschaft. Denn angesichts wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen leistet die Innovationskraft von Start-ups wichtige Beiträge, gerade wenn diese sich als Sozialunternehmen ausrichten. Solche Social Enterprises nutzen unternehmerische Methoden als Mittel zum Zweck, um soziale oder ökologische Probleme zu lösen. Doch Entrepreneurship Education, also Bildung zur Förderung von unternehmerischen Kompetenzen, ist auch unabhängig von tatsächlichen Gründungen relevant, und zwar für die Persönlichkeit der Teilnehmenden. Denn bei diesen Bildungsangeboten geht es eben einem wirtschaftlichen Grundverständnis vor allem darum, eigene Stärken und Schwächen zu identifizieren, Herzensanliegen zu erkennen und innovative Lösungen zu entwickeln. Und diese Kompetenzen …